Bajada de la Virgen de Las Nieves

Einst litten die Menschen von La Palma unter einer schrecklichen Dürre. Man schrieb das Jahr 1676 und es drohte eine schlimme Missernte. Die Folge wäre eine Hungersnot und viele Tote gewesen. In dieser Situation kam Bischof Jiménez auf die Insel. Er sah das Leid der Menschen und auch ihrer Tiere und die Notwendigkeit, zu handeln. Um die Fürbitte der Gottesmutter zu erlangen, veranlasste er deshalb eine Prozession. Und so kam es, dass die Statue der Jungfrau von Las Nieves von eben dort hinab in die Hauptstadt La Palmas getragen wurde. Und tatsächlich scheint die Bittprozession das Mitleid Mariens geweckt zu haben, denn schon bald darauf kam der ersehnte Regen und befreite die Menschen von der drohenden Gefahr.
In Erinnerung an dieses Wunder, wird diese Prozession seit 1680 alle 5 Jahre wiederholt. Die Bajada de la Virgen de Las Nieves (»Das Hinabtragen der Jungfrau von Las Nieves«) ist das größte Fest der ganzen Insel und Anlass zu vielfachen Familienzusammenkünften. Denn an dieser traditionellen Feier nehmen nicht allein die Bewohner der Insel teil, sondern auch viele ihrer Verwandten, die inzwischen auf anderen kanarischen Inseln oder gar in Übersee leben. Wie die Jungfrau von Las Nieves so vor mehr als 300 Jahren die Menschen vor einer Hungersnot rettete, so führt sie heute nun die Menschen zusammen.
Doch hat dieses Ereignis auch seine Schattenseiten, jedenfalls für diejenigen, die just in dieser Zeit auf La Palma Urlaub machen wollen. Denn auf Grund des enormen Andrangs sind die Flüge und die Unterkünfte in diesem Zeitraum bereits Monate zuvor komplett ausgebucht. Aus diesem Grund sollte man sich möglichst frühzeitig um beides kümmern, denn die Bajada, zumindest teilweise, mitzuerleben, ist zweifellos eine ganz besondere Erfahrung.

Die Feierlichkeiten rund um die Prozession beginnen Ende Juni/Anfang Juli mit der Semana Chica, der »Kleinen Woche«. Sie ist geprägt von zahlreichen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen. Der nächste Sonntag, der Auftakt zur »Semana Grande«, sieht das Desfile de Carrozas y Batalla de Flores, einen Umzug von mit Blumen geschmückten Wagen, begleitet von Musikkapellen.
Am Montag darauf findet traditionell das »Desfile de La Pandorga« statt, bei dem die lokalen Größen aus Politik und Showbiz verspottet werden. Von den weiteren bunten Veranstaltungen dieser Woche ist noch der Tanz der »Zwerge« hervorzuheben. Die »enanas« tanzen die ganze Nacht. Ihre zwergenhafte Gestalt ist dabei ein Trugschluss, der daher rührt, dass die Köpfe der Figuren im Verhältnis zum Rest des Körpers deutlich überproportioniert sind.
Am zweiten Sonntag der Großen Woche findet die eigentliche Prozession statt. 12 Männer tragen die Madonnenstatue auf einer Sänfte hinab nach Santa Cruz. Im Verlaufe dieser Prozession kommt es im
Barranco
Barranco

Tiefe, durch Erosion gebildete Schluchten im Bereich vulkanischer Steilhänge. Bei Regenfällen oft Wasser führend.

de Las Nieves zum »Dialog zwischen Festung und Schiff«, gemeint sind damit Kanonenschüsse der hier befindlichen Festung und eines nachgebauten Kolumbusschiffes. Einen Monat nach Beginn der Semana Chica endet die Bajada schließlich mit der feierlichen Rückkehr der Jungfrau nach Las Nieves.
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